Kontemplation
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Kontemplation – der Weg in die Stille

 

 Der christliche Begriff für Meditation ist Kontemplation und kommt von lat. contemplari, d.h. schauen. Es geht um ein Schauen ins eigene Selbst, um das Schauen des Göttlichen in uns und in der Schöpfung. Die Wurzeln dieses Wortes gehen auf einen Ritus heidnischer römischer Priester zurück, genannt Auguren, die die Zukunft vorhersagten, indem sie in einem bestimmten vorher definierten Bereich des Himmels, genannt templum (Beobachtungsraum), den Vogelflug deuteten. Analog dazu war auf der Erde ein bestimmter heiliger Bezirk abgesteckt, ebenfalls templum genannt. Beim contemplari besah man sich die himmlischen und die irdischen Bereiche zusammen (pl templa) (con = zusammen) und sann über die Verbindung nach. Da wir als Christen Tempel Gottes sind, sind wir ganz wörtlich genommen der Beobachtungsraum, den wir zusammen schauen, in dem wir verweilen, einfach nur sind. Kontemplation als ein Ankommen im ganz Mensch-Sein. Soweit die Ursprünge.

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Es gibt 4 Grunddimensionen/Aspekte des Begriffes Kontemplation:

 

Der 1. Aspekt ist die Übungspraxis. Kontemplation als Gebetsform, als ein Weg des Schweigens, wobei die Sinnes- und Verstandestätigkeit allmählich gedämpft und schließlich völlig ruhig gestellt wird.

 Kontemplation findet statt, wenn Verstand, Gedächtnis und Wille zur Ruhe gekommen sind. Alle seelischen Kräfte verhalten sich passiv. Es geschieht etwas mit dem, der betet. Alle Vorstellungen, selbst religiöse Bilder, Visionen oder fromme Gedanken werden zurückgelassen. Kontemplation ist reines Schauen. Es ist ein Erwachen zu unserem wahren göttlichen Wesen, ein Schauen des Göttlichen in uns und in der Schöpfung

Was ist nun anders an dieser Gebetsform? Religionswissenschaftler sprechen von 2 Wegen zu Gott. Ein Weg, der kataphatische (phatis = Rede, Wort) arbeitet mit Bewußtseinsinhalten , d.h. mit Bildern, Symbolen, Vorstellungen und Begriffen. Man geht von der Überzeugung aus, dass der Mensch Bilder und Begriffe braucht, um zu Gott zu kommen und dass sie für die Entfaltung des religiösen Lebens von größter Bedeutung sind. Der 2. Weg heißt apophatisch und betrachtet genau diese Inhalte als  Hindernisse auf dem Weg. Solange wir noch an Bildern und Vorstellungen festhalten, sind wir noch nicht dort, wo die eigentliche Erfahrung Gottes möglich ist.  Im Buddhismus gibt es den Satz: Wenn dir Buddha begegnet, so töte ihn.

Angelus Silesius meint genau dasselbe, wenn er dichtet: Gott selber, wenn er dir will leben, muss sterben. Wie denkst du ohne Tod sein Leben zu erwerben? Und Eckehart sagt: Das klingt verwunderlich, dass der Mensch Gott verlieren soll. Ich sage, es ist notwendiger, um vollkommen zu werden, dass der Mensch Gott verliert, als dass er das Geschaffene verliert. Dessen ungeachtet alles muss verloren sein. Der Mensch muss bestehen in einem freien Nichts. Denn solange der Mensch Gott hat und Gott erkennt und von Gott weiß, solange ist er fern von Gott. Das ist das Begehren Gottes, dass Gott sich selber zunichte mache im Menschen, damit der Mensch sich selbst verliere und Gottes ledig stehe.

 

Im Grunde genommen, ist  Kontemplation die konsequenteste Befolgung des Gebotes „du sollst Dir kein Bildnis machen.“ Wir sollen alle Vorstellungen, die wir von Gott und der Welt haben loslassen, dann sind wir im Zustand der Gelassenheit, denn nichts wird mehr  gewertet oder gar beurteilt. Johannes Tauler drückte es so aus: Suche nichts als ein reines, einfaches Entsinken in das reine, einfache, unbekannte, namenlose, verborgene Gut, das Gott ist, und in alles, was sich in ihm enthüllen mag. Alles soll sich an sein Nichts halten: Nichts wissen, nichts erkennen, nichts wollen, nichts suchen, nichts haben wollen. Suche weder Empfindung noch Erleuchtung!  Entsinke in dein Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Wollen .“                           

Kontemplation, Vipassana, Zen, Yoga und viele andere Wege führen zu gleichen Ziel, der Gotteserfahrung in der Stille. Und damit sind wir beim 2. Aspekt der Wortbedeutung.

Synonyme sind auch unio mystica, Einheitserfahrung, Satori, Kensho, Versenkung. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen, es geht um eine Gotteserfahrung in der Stille. Diese Erfahrung ist nicht wirklich mitteilbar. Sie übersteigt alles Sagbare. Oft versuchen Menschen, mit Hilfe der Poesie Worte dafür zu finden, die Gedichte Rumis sind solch ein Versuch. (trunken vom Wein der Liebe).

Alle großen Mystiker, also Menschen, die diese letzte unaussprechliche Erfahrung gemacht haben, geben vergleichbare Hinweise in ihren Erfahrungsberichten. Und zwar unabhängig von der ursprünglichen Konfession.

Vom Gipfel aus erkennt man, dass die verschiedenen spirituellen Wege nur verschiedene Aufstiegsrouten sind. Oben ist die wahre Religion zu finden. (religio = Wiederanbindung) Das kann nur eine sein. Johannes vom Kreuz bezeichnet die Stufen des Aufstieges mit Nada, dem Nichts. Und oben auf dem Berg noch einmal Nada. Aber das Nichts ist nicht Nichts. Es ist der Hintergrund allen Seins und die wahre Einheit aller Religionen.

 

Um diese letzte Stufe auf dem Weg in die Realisation der Wirklichkeit zu erlangen, ist der Tod des Ich notwendig. Das ist die Voraussetzung für die Erfahrung des Einen. Wo kein Ich mehr ist, ist auch kein Gegenüber , kein Gott mehr. Und alle Religion hört auf. Diese Erfahrung  ist transkonfessionell, transpersonal, nicht-dual und jenseits aller Konzepte. Alle Begriffe und Worte greifen nicht mehr. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass es im Japanischen kein Wort gibt für Ich. Das Ich existiert im japanischen Sprachgebrauch nicht. Japaner haben von Kindheit an ein anderes Verhältnis zum Ich und der Welt. Für sie ist traditionsgemäß alles eine Einheit und ein abgegrenztes Ich gibt es nicht. Dennoch sprechen auch die Buddhisten von der Notwendigkeit des Todes auf dem Meditationskissen, dem Zafu. Es gab Menschen, die in Särgen geschlafen haben, um sich diese Tatsache immer wieder bewusst zu machen. Man spricht auch vom Tod des kleinen Selbst, damit das Große Selbst bewusst gelebt werden kann. Wir Christen erinnern uns an den Spruch: Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen! Tiefe Wahrheiten finden sich eben in allen Religionen!

 

Der 3. Aspekt des Wortes Kontemplation ist der des Verwandlungsprozesses, Kontemplation als Lebensweg , hin zum 4. Aspekt, Kontemplation als Lebenshaltung. Einfach da sein, gelassen bleiben, auch wenn der Sturm um einen herum tobt. So wie man auf dem Kissen  lernt, sich von Ereignissen, Geräuschen, inneren Erlebnissen usf. nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, so wird es schließlich zur inneren Haltung insgesamt. Damit vergeudet man unglaublich weniger Energie an unnötige Aktionen, unnötig, da sie oft sowieso nichts (mehr ) ändern, und die Kraft steht für uns zur freien Verfügung. Beim Wesentlichen bleiben, verbunden bleiben mit der eigenen inneren Mitte, aus ihr heraus handeln, authentisch sein, ganz Mensch sein, das ist auch Kontemplation und das im Alltag.

 

Würde die Kontemplation auf dem Kissen nicht zur Kontemplation im Alltag - zur Vita contemplativa - führen, wäre sie ein Irrweg. Doch das Beenden des inneren Krieges gegen sich selbst auf dem Kissen führt zu einem Befrieden im Innen und Außen.

 

Jetzt habe ich Ihnen eine kurze Zusammenfassung des Begriffes Kontemplation zu geben versucht. Kommen wir zur Praxis zurück, denn die ist doch jetzt erst mal von Interesse als Ausgangspunkt für alle weiteren Aspekte:

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 Kommen wir also zur Kontemplationstechnik.

 

  • Die Körperhaltung: Grundsätzlich kann man in jeder Körperhaltung meditieren. Es gibt allerdings einige Gesichtspunkte, die der Sache sehr dienlich sind, ganz gleich, ob sie sich für Stuhl, Hocker, Bänkchen oder eine Kissenform entscheiden. So sollten Knie und Sitzhöcker ein Dreieck bilden, damit eine gewisse Stabilität gewährleistet bleibt.  Die Wirbelsäule wird aufrecht gehalten. Stellen sie sich vor, jemand würde sie am Scheitel nach oben ziehen. Suzuki spricht davon, man solle so gerade sitzen, als ob man den Himmel mit dem Kopf stützen würde.  Der Nacken ist nach hinten geschoben, das Kinn etwas angezogen.   Die Schulter bleiben  locker, fallen nicht nach vorn.  Die Hände ruhen im Schoß. --- Man kann sie auch auf den Knien ruhen lassen.  Bei der ersten Methode wird angenommen, dass die Aktivität der linken Gehirnhälfte unterdrückt wird.    Bitte lassen sie die Augen geöffnet und suchen sie sich in einem bequemen Abstand von ca 1 m einen Fixpunkt, aber starren sie nicht darauf.   Geschlossene Augen können oft Störungen verursachen.   Entspannen sie die Zunge im geschlossenen Mund, manche empfehlen auch das Berühren des Gaumens mit der Zungenspitze.
  • Der richtige Sitz gleicht dem Fundament eines Gebäudes. Daher ist das Sitzen auf dem Schemel besser als der Sitz auf dem Stuhl, und der Bodensitz besser als der Schemel.
  • Bei längerem Sitzen verlangt nämlich das Sitzen auf einem Stuhl weit mehr Kraft und Aufmerksamkeit als das Sitzen auf dem Boden.   Kleiner Tipp: Suchen sie ihren Mittelpunkt durch Hin und Herpendeln.
  • Atmung und Denktätigkeit: Unser Bewusstsein ist wie ein tiefes Meer, das nur an der Oberfläche von unruhigen Wellen bedeckt ist. Der größte Teil des Wassers ist ruhig und unbewegt.  Nun geht es darum, diese Wellen des Bewusstseins zur Ruhe zu bringen. Deshalb empfehlen fast alle spirituellen Wege für den Anfang die Sammlung auf einen Fokus,  an den das unruhige und herumstreunende Bewusstsein gebunden wird. Es kann auch ein Laut, ein Wort  oder eine Litanei sein.  So kennen wir Christen das Jesusgebet, im Zen sitzen viele mit dem Koan Mu, bekannt ist auch Om aus dem Yoga und die Sufis rezitieren die 99 Namen Allahs. Es geht nicht darum, über diese Worte oder Laute nachzudenken, sondern mit den rezitierten Worten eins zu werden. In einem Text aus dem Mittelalter rät der Verfasser ausdrücklich: (Wolke des Nichtwissens):" Es genügt jetzt, deine Aufmerksamkeit auf ein einziges Wort zu richten.. Doch ergründe es nicht. Versuche die Wirklichkeit, für die das Wort steht, auf dich wirken zu lassen. Lass keinen noch so klugen Gedanken zu, der dieses Wort ergründen möchte. Gehe auch seinen verschiedenen Bedeutungen nicht nach… Ich bin sicher, dass das Nachdenken der kontemplativen Übung hinderlich ist."
  • Das ist die erste Grundstruktur, die man bei fast allen spirituellen Wegen findet - gleichgültig welcher Religion sie entstammen.
  • Dass der Weg zum Gebet der Ruhe und der Gotteserfahrung mehr über die Beobachtung des Atems als über ein Training des Intellekts führt, das haben bereits die alten Mönchsväter der Thebais und Syriens gewusst. 
  • Ich möchte den Anfängern unter Ihnen zum Atemzählen raten. 1,2 bis 10 um dann wieder von vorn zu beginnen.    
  • Die zweite Grundstruktur ist die Bewusstseinsentleerung. Man versucht, nichts von dem anzunehmen, was in dem an und für sich leeren Bewusstseinsraum auftaucht. Man lässt alles vorbeiziehen - wie ein Spiegel, der alles reflektiert, sich aber mit nichts identifiziert. Der wahre Zweck ist, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, die Dinge zu beobachten, wie sie sind, und alles ablaufen zu lassen, wie es eben abläuft. Ähnlich wie vor einer Kinoleinwand, nur dass es ihr eigener Film ist, den sie sehen. Wichtig ist das reine Beobachten ohne Beurteilung. Nichts ist gut, nichts ist schlecht. Alles ist einfach nur. Versuchen sie nicht, das Denken zu unterdrücken, lassen sie es von selbst aufhören. Wenn Ihnen etwas in den Sinn kommt, lassen sie es hereinkommen und lassen sie es hinausgehen. Wenn man versucht, das Denken zu unterdrücken, bedeutet das, dass man sich davon stören lässt, man beurteilt sich. Lassen sie sich von nichts stören. In Wirklichkeit sind es nur die Wellen unserer Gedanken, und wenn man sich von diesen Wellen nicht stören lässt, werden sie allmählich ruhiger und ruhiger. Im Zen wird das Shikantaza genannt, in der christlichen Tradition finden sich Ausdrücke wie: Wolke des Nichtwissens, Schau ins nackte Sein, reine Aufmerksamkeit oder bei Johannes vom Kreuz  liebendes Aufmerken.
  • Es geht also um das Ausschalten der Verstandestätigkeit, der Vorstellungskraft sowie aller Willensimpulse.

Bitte setzen sie sich nicht unter einen Leistungsdruck. Sie werden feststellen, das die Gedanken, dass ihr Geist wie ein Äffchen von Baum zu Baum springt. Diese Feststellung machte bereits Theresa von Avila (Kontemplation S.26)

"Die Ursache also, weshalb der Verstand sich hier bescheidet oder zur Bescheidenheit genötigt wird, liegt in der Einsicht, dass er nicht verstehen kann, was er verstehen möchte. Und darum bewegt er sich wie närrisch hin und her, ohne irgendwo zu verweilen."

Beginnen Sie auch mit 5-10 Minuten jeden Tag, es ist besser, regelmäßig einige Minuten zu sitzen, als ab und zu eine halbe Stunde.

Wer kann diesen Weg gehen? Willigis Jäger macht darauf aufmerksam, dass nicht jeder Mensch, der an sich leidet, auch schon in der Lage ist, einen mystischen Weg aufzugreifen. (Suche nach dem Sinn .. S. 26). Nur ein starkes Ich kann auch loslassen. You have to be somebody, before you can be nobody. Man kann nicht niemand sein, bevor man nicht jemand ist. Deshalb ist es oft ratsam, zunächst etwas für die Ich-Stärkung zu tun, oder wenigstens gleichzeitig in therapeutische Behandlung zu gehen, bevor ein mystischer Weg beschritten wird.

 Am Schluss möchte ich noch einmal einen großen Meister zu Wort kommen lassen. Meister Eckhart. Er schreibt:

    so sollte der Mensch allen Sinnen entweichen und all seine Kräfte nach innen kehren und in ein Vergessen aller Dinge und seiner selber kommen. In diesem Sinne sprach ein Meister zur Seele: Zieh dich zurück von der Unruhe äußerer Werke, flieh also, und verbirg dich vor dem Gestürm äußerer Werke und inwendiger Gedanken, sie schaffen nur Unfrieden. Aber wenn Gott sein Wort in der Seele sprechen soll, muss sie in Friede und Ruhe sein, und dann spricht er sein Wort und sich selbst in der Seele, nicht ein Bild, sondern sich selbst. (aus: Mystische Schriften S. 21) 

 

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